Freitag, 4. Februar 2011

Die Hand ausstrecken ...

Dieses eine Mal irrt Henryk Broder, wenn er meint, Israel sollte die Hand ausstrecken in Richtung Ägypten.

Es ist wahr, bislang wurden während der Demonstrationen in Ägypten keine israelischen und/oder US-Flaggen verbrannt. Und bist jetzt ist es auch glaubwürdig, dass es den Demonstranten nicht primär um die Erzfeindschaft geht, wenn sie Mubaraks Weggang fordern. Nur: Was sollte die ausgestreckte Hand für eine Botschaft signalisieren?

Die Botschaft wäre eine rein ideologische, die über nationale Interessen - und in diesem Fall geht es um Überlebensinteressen - hinwegsieht. Man muss ja den Ruf nach Freiheit bejahen, wenn man etwas auf sich hält. Aber gelingt das, was die Demonstraten wollen, kann es für Israel schlimme Folgen haben.

Es ist eine vertrackte Situation, in der das wünschenswerte Wohl der anderen für einen selbst eine Bedrohung bedeuten kann. Jedes Land blickt zuerst und vor allem auf das eigene Schicksal und solidarisiert sich erst unter Berücksichtigung desselben. Israel fürchtet um den halbwegs stabilen Frieden mit Ägypten, dessen Garant niemand anderer als Mubarak war.

Es ist ein Leichtes, die Hand auszustrecken und solidarische Gesten in die Welt zu schicken, wenn man damit gar nichts riskiert und - wenn die Hand dankend angenommen wird. Wovon in diesem Fall wohl eher nicht auszugehen ist.

Und dann sei noch leise angemerkt: Was ist schlimmer, die Hand wahllos so ziemlich nach allem auszustrecken, was den eigenen wirtschaftlichen Interessen entspricht, oder das passiv-neutrale Nichtausstrecken und Beobachten?

Keine Kommentare: