Freitag, 4. März 2011

Der "vernetzte Einzeltäter"

Derweil hat der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU) vor Alarmismus gewarnt. „Trotz der dramatischen Ereignisse von Frankfurt sehe ich derzeit keine Notwendigkeit, eine neue Terrorwarnung wie im vergangenen November auszusprechen“, sagte er ... . Nach allem, was die Behörden bisher wüssten, habe sich die Sicherheitslage nicht entscheidend geändert, sagte Bosbach. Auch der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte am Donnerstag erklärt, es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland hochgefahren werden müssten.
(Quelle)

Verstehe ich es richtig, geht es also lediglich darum, ob man die Bundes-Sicherheitsampel auf Rot, Grün oder auf sonstige Zwischentöne stellen sollte? Nachdem das Kind längst in den Brunnen gefallen war, weil der Kosovare Arid U. zwei Amerikaner hingerichtet und weitere zwei verletzt hat?

Was mich am medialen Nachspiel des terroristischen Akts am meisten stört, das ist die gut wahrnehmbare Tendenz, das Geschehen herunterzuspielen, es nicht als terroristischen Akt hinzustellen. Keine Hinweise, dass er Mitglied einer terroristischen Vereinigung war, Arid U. sei ein "vernetzer Einzeltäter" textete die FAZ, der sich seine Wut im Internet geholt habe, ansonsten handele es sich um eine "schwere staatsgefährdende Gewalttat“. Es wird sich bemüht, Arid U. nicht als Terroristen, seine Tat nicht als einen Akt des islamistischen Terrors hinzustellen, bloß weil man von keinen Hintermännern weiß, mit denen er sich in der realen Welt getroffen oder abgesprochen hätte.

"Vernetzter Einzeltäter" ist doch ein Widerspruch in sich. Die Beziehungen und Bekanntschaften lassen sich durch das Internet knüpfen und aufrechterhalten. Selig soll werden, wer glaubt, dass er lediglich durch ein (nicht auffindbares) Video im Internet in Rage gearbeitet hat, ohne sich mit seinesgleichen darüber auszutauschen. Die "Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung" kann heute auch virtuell gepflegt werden.

Ich frage mich, wie die Stimmung wäre, wenn nicht US-Soldaten, sondern Deutsche erschossen worden wären. Denn die öffentlich wahrnehmbare Empörung hält sich in Grenzen - es betraf ja nicht wirklich "uns" ...

Keine Kommentare: