... dann lass schon mal vorsorglich jede Hoffnung fallen. Denn wer sich im Zentrum der Stadt der Verkündigungskirche nähert, wird direkt davor mit einer etwas unfreundlichen Nachricht im Großformat konfrontiert: „Wer eine andere Religion als den Islam begehrt, nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er unter den Verlierern sein.“ Ungläubige wie ich dürfen sich wohl gleich mitverstanden fühlen. Aber warum wird der Besucher ausgerechnet vor der Verkündigungskirche durch das dunkle Raunen des bekannten Koranspruchs begrüßt?
An dieser Stelle, die gläubige Muslime als die Grabesstätte von Shahab al-Din verehren, sollte eine Moschee entstehen. Shahab al-Din besiegte zwar die Kreuzritter im Jahre 1187, dumm nur, dass Erzengel Gabriel an ebendieser Stelle auch vorbeigekommen sein und die Geburt Christi verkündet haben soll. Was tun also bei dem Konflikt? „Ätsch, der Gabriel war früher da“ – nein, das hätte wohl nicht so recht ins Schwarze getroffen.
Kein Paradox, den es nicht gibt im Nahen Osten: Den lange währenden Moschee-Streit zwischen Muslims und Christen entschieden die Juden. Israel verbot letztendlich den Bau der Moschee an dieser Stelle. Der weltweite Protest unter den Christen war nur eines der Argumente. Hinzu kam, dass sich die muslimischen Verantwortlichen weigerten, die früheren Vereinbarungen bezüglich der Größe bzw. der Höhe der Mosche einzuhalten. Vorschläge für einen alternativen Standort wurden abgelehnt.
Das Streben nach Höherem ist ja nichts Unbekanntes auf dem Gebiet. Unser freundlicher Begleiter und Gastgeber in der Stadt ist arabischer Christ, Sproß einer alteingesessenen angesehenen Familie. Er erzählte uns eine Geschichte, die die Tragweite des Größenarguments zusätzlich verdeutlicht. Im westlichen Teil der Stadt entstand eine christliche Siedlung mit mehrstöckigen Neubauten. Die fertigen Bauten überragten das Minarett der benachbarten Moschee um ein Weniges, taten dies allerdings eindeutig ohne religiöse Ambitionen, zumal es sich um reine Wohnhäuser handelte. Daraufhin wurde das Minarett nach oben „verlängert“, um die Größenverhältnisse ein für alle Mal eindeutig klarzustellen. Hätte man die gleiche Anpassungsprozedur beim Bau der geplanten Moschee an der Verkündigungskirche ebenfalls befolgt, wären die städtebaulichen und sonstigen Folgen nicht auszudenken gewesen, zumal die Basilika selbst keine bescheidene Hütte ist.
Unser Begleiter sagte: Er sei froh, ein Israeli zu sein, nicht nur, aber auch wegen der Entscheidungsfreudigkeit Israels in derartigen Angelegenheiten. Die westeuropäische Appeasement-Politik schmecke ihm gar nicht, sie führe in den Untergang. Mir fiel der geplante Moscheebau am ground zero ein, aber auch das Märchen mit den drei Schweinchen, das sich als politisch unkorrekt erwiesen hat, die Geschichte der Richterin, die das Schlagen einer Ehefrau mit den Sitten im fernen Heimatland verteidigte und vieles andere mehr. Etwas, das seine Worte hätte widerlegen können, fiel mir nicht ein.

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